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Der Schatten des Erbfeinds

Charles De Manuel beugte sich zu seinem Bruder. „Werden sie das Versteck finden?“, fragte er besorgt. Robert De Manuel schwieg einen Augenblick. Dann sagte er langsam: „So Gott will, werden sie es aufspüren. Doch wird ihnen kein Glück zuteilwerden. Es wird im Gegenteil ihr Verderben sein!“ In den unterirdischen Gängen der Burg waren zur gleichen Zeit vier englische Bewaffnete auf der Suche nach dem Schatz der Familie De Manuel. Sie hatten bereits einen verborgenen Weinkeller gefunden. Ihr Anführer, ein rothaariger grober Haudegen namens William Slocombe aus Rochester, hatte eines der Fässer mit seiner Axt zerschlagen und den heraus plätschernden Wein gekostet. „Ha, ein edler Tropfen! Fasst rein!“, hatte er seine Begleiter aufgefordert. Andrew Bolton und Walter Bones hatten sich nicht lange bitten lassen, nach Zinnbechern gegriffen, die in einem Regal gestanden waren, und dem Rotwein ordentlich zugesprochen. John Carter hingegen, der vierte im Bunde, ein stiller Pastorensohn aus der Nähe von Rochester, hatte nur wenig gekostet. John war eine überaus treffsichere Bogenschütze, was er nicht zuletzt seinen scharfen Augen zu verdanken hatte. „Eye of an eagle“ war er manches Mal von seinen Kameraden respektvoll genannt worden, weil sein Auge auch kleine und weit entfernte Dinge erspähte. Auch besaß er eine außergewöhnlich ruhige Hand, um die ihn viele beneideten. John hatte nicht nur scharfe Augen, sondern auch einen ebensolchen Verstand. Er dachte erst nach, bevor er sprach. Während seine Begleiter laut lachend ein ums andere Mal ihre Becher in das eingeschlagene Fass tauchten, hatte er den seinen langsam ausgetrunken und die Kameraden betrachtet. ‚William, du warst ein Gerbergeselle‘, hatte er gedacht. ‚Vor der Landung in Frankreich konntest du Wein und Essig nicht unterscheiden. Und jetzt gebärdest du dich bei jeder Eroberung, als habest du selbst seit vielen Jahren Wein angebaut‘. „Wir müssen weiter“, hatte er seine Kameraden aufgefordert. „Diese Fässer werden nicht der Familienschatz der De Manuels sein.“ Doch es brauchte noch manche Worte, bis sich William bequemt hatte, der Aufforderung Folge zu leisten. Die anderen beiden folgten ihm murrend. John merkte, dass der Wein schon die ersten Wirkungen zeigte. Andrew wurde schnell launisch, Walter hingegen müde. William indes kehrte noch mehr den Anführer heraus. 11


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