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Der Schatten des Erbfeinds

Der setzte sich denn auch sogleich an die Spitze. Sie suchten weiter, verloren sich in langen Gängen und hätten beinahe nicht mehr hinausgefunden. „Was für gottverdammte Irrgänge hier unten sind“, fluchte William. Schließlich waren sie wieder da angelangt, wo sie ihre Suche begonnen hatten. John vermutete, dass sie unterhalb von einem der vier Ecktürme waren. Sie standen in einem gemauerten, etwa eineinhalb auf zwei Mannslängen großen Raum, in den zwei Gänge mündeten. Durch den einen Gang hatten sie am Beginn ihrer Suche den Raum betreten und waren dem anderen gefolgt. Dieser hatte sie nach manchen Windungen wieder zurückgebracht. Auf beiden Seiten des Raumes waren mannshohe Nischen eingelassen. Es herrschte ernüchternde Stille. Nur leises Tropfen von Wasser aus einer unbestimmbaren Richtung war zu hören. John wünschte sich, dass sein Freund Oliver Ingram hier wäre. Oliver, der kluge Kopf, der Segler und Schiffsbauer, der vor jeder Entscheidung schnell abwog, was die jeweilige Folge sein würde. Er war nicht nur ein ausgezeichneter Seemann, sondern auch ein vorzüglicher Bogenschütze. Er wüsste, wie sie weitermachen sollten. Doch Oliver Ingram lag schwer verwundet im Feldlazarett, vom Armbrustbolzen eines Festungsverteidigers in die Brust getroffen. „Lasst uns zum Hauptquartier zurückgehen, hier ist nichts“, sagte William. Gerade wollten sie kehrtmachen, da fiel John im Schein seiner Fackel ein abgerundeter Stein auf, der in Kniehöhe neben der rechten Nische aus der Mauer etwa ein Viertel Handbreit herausragte. Das allein war nicht ungewöhnlich. Es gab von dem Stein noch drei weitere, jeweils einen auf jeder Seite der beiden Nischen. Doch auf diesem Stein vermeinte er eine schwache Vertiefung gesehen zu haben. Er bückte sich und betrachtete sie näher. Sie war kleiner als sein Daumen und sah aus wie ein Tatzenkreuz. Er überlegte: In seiner Kindheit hatte ihm sein Vater, der Pastor in einer kleinen Dorfkirche bei Nottingham gewesen war, Geschichten von Rittern, Burgen, Drachen und tief verborgenen Schätzen vorgelesen. John erinnerte sich an eine Geschichte, in der ein Stein in einer Mauer gedrückt werden musste, damit sich eine verborgene Türe öffnete. „Welch ein törichter Gedanke“, murmelte er. Doch seine Neugier veranlasste ihn schließlich, sich hinunter zu beugen und auf den Stein zu drücken. Zu seiner Verblüffung gab dieser sofort nach. John riss die Augen auf. Tatsächlich bewegte sich ein Teilstück der scheinbar so festgefügten Mauer und gab einen Spalt frei. John überwand seine 12


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