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Der Schatten des Erbfeinds

Verblüffung, drückte mit der Schulter dagegen und das schwere Mauerstück schwang langsam auf. Dahinter führte eine breite Wendeltreppe ins Dunkel hinab. An den Wänden befanden sich Halterungen mit erloschenen Fackeln. „Sweet Jesus, ein Geheimgang! Kommt, Leute!“, rief er, schriller als beabsichtigt. William, Andrew und Walter, die sich schon auf den Rückweg gemacht hatten, blieben bei diesem Ruf stehen. So schnell sie konnten, drehten sie um, rannten zu ihrem Kameraden und stolperten zurück in den Raum, in dem sich nunmehr unverhofft eine weitere Öffnung aufgetan hatte. William schlug John anerkennend auf die Schulter. „Gut gemacht, Kleiner. Diese dreckigen Franzosen haben doch tatsächlich geglaubt, sie könnten uns täuschen. Uns, die besten Kundschafter des Herzogs! Aber wir zeigen´s ihnen. Los, Leute!“ Mit diesen Worten schlüpfte William Slocombe voran und stieg die Treppe hinunter. Sie war in der Tat außergewöhnlich breit. Ein Mann hätte sich bequem quer hinlegen können. Es war gut, dass sie Fackeln bei sich trugen, denn nicht das kleinste Tageslicht drang hier hinunter. „Führt diese Treppe direkt in die Hölle, so tief wie es hier hinuntergeht?“, versuchte Walter nach einer Weile einen Scherz. Doch niemand lachte. William knurrte missmutig: „Andy hat recht.“ „Nein“, erwiderte John. „Immer wieder führen die Treppen auch hinauf. Es scheint, als wolle der Burgherr diese Tiefe nur vortäuschen.“ „Unfug“, entgegnete William schroff. „Du und deine Eingebungen. Wohin hast du uns geschickt, John, du Tölpel? Hättest mal besser nicht - What the hell?“ Sie hatten die letzte Treppenstufe erreicht. Vor ihnen öffnete sich ein weiterer Raum, der aussah wie der, von dem sie ihren Abstieg begonnen hatten. Hier führte nur ein Gang weiter. Aber sie konnten schon vom Fuße der Treppe sehen, dass der Gang, der eher einer großen Nische glich, nur wenige Schritte lang war und in eine eisenbeschlagene Türe mündete. Die Engländer eilten hin und betrachteten sie. „Seht her!“ Walter hatte sich zu Wort gemeldet und zeigte auf zwei eigenartige Vertiefungen. Sie hoben die Fackeln und sahen genauer hin. Links und rechts vor der eisenbeschlagenen Türe verlief auf jeder Seite der Wand eine senkrechte Rinne, etwa zwei Ellen breit und eine Handbreit tief. Neben diesen Rinnen befanden sich beidseits in eineinhalb Mannshöhen, je drei handbreite und eine Elle lang, vergitterte Schlitze, Schießscharten gleich, in der Wand. Walter brummte misstrauisch. „Sieht aus wie Fallrinnen bei einem schweren Gitter nach der Zugbrücke“, 13


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