Page 15

Der Schatten des Erbfeinds

murmelte er. „Aber hier ist kein Gitter, nur Schießscharten vor der Türe. Und wozu sollen diese dienen?“ John leuchtete mit seiner Fackel nach oben. Ihm fielen über der Türe zwei überaus schmale dunkle Spalten auf, die parallel zueinander verliefen. „Was, wenn dies hier eine Falle ist? Seht!“ Er deutete nach oben. „Hier wurde eine Platte eingefügt. Die fällt, wenn sie gelöst wird, wie ein Fallgitter nach unten und verschließt den Eingang.“ William legte die Stirn nachdenklich in Falten. „Hier ist aber niemand mehr außer uns. Der Burgherr, seine Familie und sein Gesinde sind fort. Alle anderen haben wir niedergemacht. Keiner ist mehr am Leben. Also kann niemand diese Platte, so sie denn eine ist, in Bewegung setzen. Also was soll es?“ Er schob den schweren Riegel beiseite und drückte die Türe auf. „Nicht einmal schwer. Kommt, Leute! Vielleicht liegt hier ein Schatz.“ Die vier Kundschafter stolperten durch die Türe. Schlagartig war es still. „Seht ihr, was ich sehe, Leute?“, fragte Andrew flüsternd. John schluckte. „Sweet Jesus, was ist das?“, stammelte William. Sie standen am Eingang zu einer anderen Welt. John war sich sicher gewesen, seine Kameraden zu den Kammern unterhalb eines der Ecktürme geführt zu haben. In der Tat standen sie bei genauerem Hinsehen in einem Saal von großen Ausmaßen. Aber das, was sie dort erblickten, ließ sie vergessen, dass sie sich in einem Raum unter der Erdoberfläche befanden. Waren die Wände des Ganges, durch den sie gerade noch gelaufen waren, aus grob behauenen Steinen zusammengefügt, so waren sie hier mit Mörtel verputzt und säuberlich bemalt. John wagte kaum zu schätzen, welche Ausmaße dieser Saal hatte. ‚Vielleicht ein Dutzend Mannslängen ist er hoch‘, so dachte er. ‚Sind wir doch so weit hinabgestiegen?‘ Er drehte sich ein wenig. Es knirschte und er sah zu Boden. Unter ihren Füßen war der feste steinerne Boden einem Gemisch aus gestampfter Erde, Sand und Steinen gewichen. Nur wenige Schritte vor ihnen führte eine halbrunde, aus behauenen Felsbrocken gemauerte Brücke über einen mehr als zwei Mannslängen breiten Fluss. Dieser schien aus einer vergitterten Öffnung in der Mauer rechts von ihnen zu kommen, machte eine leichte Biegung und verschwand in einer anderen Öffnung linker Hand, die ebenfalls vergittert war. John bemerkte, dass er und seine Kameraden durch eine Art Portal eingetreten waren, denn links und rechts von ihnen befand sich je eine breite Säule aus Marmor. Die Säulen trugen einen halbrunden Torbogen. Daneben standen Amphoren und Tonkrüge in verschiedenen Größen auf dem Boden. 14


Der Schatten des Erbfeinds
To see the actual publication please follow the link above