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Der Schatten des Erbfeinds

gemauerter Gang, der sich im Dunkel verliert.“ Ärgerlich schwenkte er die Fackel und kletterte an das gegenüberliegende Ufer. Kaum herausgestiegen, stolperte er über einen Stein, der am Boden lag. Die Fackel glitt ihm aus der Hand, fiel zu Boden, kullerte das abschüssige Ufer hinunter und landete im Wasser, wo sie mit lautem Zischen erlosch. „Damned!“, schimpfte Andrew. Dann aber lachte er. „Jetzt gehe ich den Berg hinauf zu unserem Jesus! Oder noch besser, ich schaue mir die beiden Weiber aus der Nähe an. Die sehen richtig zum Anbeißen aus!“ Walter und William zögerten. „Schau lieber in die Höhle, ob dort ein Schatz liegt“, knurrte Walter. „Da draußen sind in den Dörfern genügend echte Weiber. Die sind mir lieber als diese nachgemachten Puppen. Was willst du mit denen? Sie zu Hause auf einen Kaminsims stellen? Was meinst du, John?“ William und Walter sahen ihn fragend an. „Ich steige zu diesem Balkon hinauf“, antwortete John „Vielleicht sehe ich von da oben mehr.“ Er trat in den Vorraum und stieg die Wendeltreppe empor. Oben angekommen, sah er, dass auf dem Balkon an der rückwärtigen Wand große Holzstühle standen. Von hier mussten der Burgherr und seine Familie der Messe beigewohnt haben. Davor, etwa eine Mannslänge vor der Balustrade, erblickte John einen steinernen Altar. Als er näher trat, erkannte er, dass auf dessen Oberfläche in goldener Farbe ein Viereck fein säuberlich aufgemalt war, zweieinhalb Ellen lang und eineinhalb Ellen breit. In dem Viereck war wiederum eine Zeichnung von zwei Tafeln mit unverständlichen Schriftzeichen zu sehen. Flankiert wurde das Viereck auf zwei Seiten von der Zeichnung jeweils einer geflügelten Gestalt, einem Stier gleich. Was sollte dies bedeuten? Die Darstellung kam ihm bekannt vor, ohne dass er hätte sagen können was es war. Dann fiel es ihm ein: Die Bundeslade! Die Abmessungen entsprachen den Anweisungen Gottes, die dieser den Israeliten gegeben hatte! Es musste sich um eine Darstellung der Umrisse der verlorenen Lade handeln. Sein Herz schlug schneller. War die sagenumwobene Bundeslade gar hier? Jetzt war er sich sicher, dass es die Lade war, wonach der Herzog suchen ließ. Doch er konnte nichts hier oben sehen, was diesem Heiligtum ähnlich war. Schließlich schüttelte er ratlos den Kopf, ging am Altar vorbei und trat an die Balustrade. Dort sah er sich noch einmal alles genau an. Vielleicht war die Bundeslade hier irgendwo versteckt. Dabei fiel ihm auf, dass dort, wo die Brücke das gegenüberliegende Ufer berührte, eine große Steinplatte auf dem Weg lag. Sie musste mindestens sieben Ellen lang und ebenso breit sein. In der Mitte der Platte waren die Umrisse eines Tatzenkreuzes 21


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