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Der Schatten des Erbfeinds

eingraviert. Vielleicht befand sich darunter ja der Schrein mit den Zehn Geboten. Die Gravur jedenfalls passte zu dem Tatzenkreuz, welches er zuvor auf dem Stein gefunden hatte, der der Schlüssel zu diesem Raum gewesen war. War dies so einfach? Er schickte sich an, umzukehren und die Treppe hinabzusteigen. Er wollte sich die Platte mit dem Tatzenkreuz ansehen. Da bemerkte er, wie Andrew den Weg zur Hinrichtungsstätte hinaufstieg, die Darstellungen von Maria Magdalena und der Mutter Gottes fest im Blick. Argwöhnisch folgten Johns Augen dem Kameraden. Andrew, der Weiberheld. Seit sie gemeinsam in dieser Einheit waren, hatte er sich schon unzählige Mädchen, aber auch reifere Frauen genommen. Wenn sie nicht freiwillig mitmachten, dann eben mit Gewalt. Er bekam immer, was er wollte. Wer wusste schon, wie viele Kinder er dabei gezeugt hatte? John kümmerte dies normalerweise nicht. Hier aber schien es ihm unverzeihlich, wenn prächtige, einzigartige Kunstwerke durch einen tumben Haudegen beschädigt oder gar zerstört würden. John sah sich die Kreuzigungsszene nochmals an. Vielleicht lag der Schrein dort. Dabei fiel ihm auf, dass die einfallenden Lichtstrahlen weitergewandert waren. Es musste jetzt zur neunten Stunde sein, die Stunde, in der Christus gestorben war. Ein erneutes Gefühl der Beklemmung befiel ihn. Da bemerkte er ein Glitzern. Jetzt erst, aus der Höhe seines Beobachtungspunktes, sah er, dass der Boden der Stätte golden schimmerte. Er rieb sich ungläubig die Augen und sah genauer hin. Der Boden war dort oben keine glatte Fläche, sondern so uneben wie der Grund, auf dem William und Walter diesseits der Brücke standen. John schüttelte fassungslos den Kopf, als er begriff, was er da erblickte. An der Schädelstätte dort oben mussten Unmengen von Goldmünzen liegen. Dazwischen funkelten Edelsteine in allen Farben. Von unten war dies nicht zu sehen gewesen. John ballte triumphierend die Fäuste. Hier lag ein unermesslicher Schatz! Jetzt mussten sie nur noch den Schrein finden. Und er hatte seinen Kameraden den Weg hierher gewiesen! Der Herzog würde ihm dies reich lohnen! Jetzt hatte Andrew das Plateau erreicht. Er sah zu Boden und erkannte, was dort in Fülle lag. „Gold! Gold! Edelsteine!“, schrie er. „Ein gewaltiger verdammter Schatz liegt hier!“ Er stieß einen triumphierenden Schrei aus, bückte sich und griff mit beiden Händen in die Münzen zu seinen Füßen. Dann warf er die Goldstücke hoch und kreischte wie toll. Er bückte sich 22


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