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Der Schatten des Erbfeinds

steh uns bei!“ Er wankte und fiel auf die Knie. Gerade noch konnte er seine Fackel festhalten. Auch Walter und William, die aus dem Schacht geklettert waren, taumelten. Ihre Gesichter waren angstverzerrt. Blind vor Schrecken stolperten sie das Flussufer hinunter und in das Wasser. Von der Schädelstätte drang Andrews Angstschrei an Johns Ohr. Als Walter und William durch den Fluss wateten, setzte aus beiden Öffnungen kalter und starker Wind ein, der sie beinahe von den Beinen riss und ihre Fackeln ausblies. Die beiden Männer kämpften um ihr Gleichgewicht. Das Wasser im Fluss kam in Bewegung. „What the hell!“, kreischte Walter. William Slocombe schaute drein, als habe ihm jemand einen Schlag auf die Stirn versetzt, unfähig, zu begreifen, was gerade geschah. Das Gurgeln schwoll an und wurde ohrenbetäubend. Der Wind nahm zu und dröhnte in Johns Ohren. Ein gewaltiger Schwall Wasser schoss aus jeder der Öffnungen. Die mehr als mannshohen Wassermassen schossen heran, trafen bei der steinernen Brücke aufeinander und zerschmetterten sie. William und Walter wurden mitgerissen. John sah noch, wie sie für kurze Momente verzweifelt mit den Armen ruderten. Doch vergeblich. Das Wasser schleuderte sie herum und die herabfallenden Brocken der zerstörten Brücke zermalmten ihre Körper. Unablässig strömte Wasser aus den beiden Öffnungen herein. Schon stieg es über die Ufer und wirbelte das Treibholz umher. John kam taumelnd wieder auf die Beine. Seine schreckgeweiteten Augen zuckten umher. Gab es noch Rettung? John fasste einen Entschluss, hastete keuchend die Treppe zum Balkon hinauf und stürzte am Altar vorbei an die Balustrade. Unter sich sah er schwarzes gurgelndes Wasser, das rasch weiter stieg. Schon hatte es den Boden der Kreuzigungsstätte erreicht. Dort erblickte John eine dunkle Gestalt, die wie erstarrt in das Wasser schaute. Andrew! John wusste, dass Andrew nicht schwimmen konnte. Trotzdem schrie und winkte er zu seinem Kampfgefährten. „Andrew! Hierher! Hiiiieer!“ Doch Andrew regte sich auch dann nicht, als das Wasser begann, an seinen Beinen emporzusteigen. Eigentümlicherweise wankten auch die Figuren der Kreuzigungsszene nicht. Sie schienen im Boden unverrückbar festgemacht zu sein. So ragten von den vier Legionären, die beim Würfelspiel saßen, jetzt nur noch die Köpfe aus den Fluten. Nur Augenblicke später hatte das Wasser die Füße der gekreuzigten Verbrecher neben Jesus erreicht. Jetzt erwachte Andrew aus seiner 24


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