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Der Schatten des Erbfeinds

Lethargie. Er kreischte auf und warf sich herum. Dabei rutschte er aus und versank. Ein entsetztes Keuchen entrang sich Johns Kehle. Doch gleich danach tauchte der Kopf seines Kameraden wieder auf. Das Wasser reichte Andrew nun schon an die Brust. Er watete schnaufend und hustend auf das Kreuz zu, das ihm am nächsten stand. An ihm hing der Verbrecher, dem die Krähen die Augen ausgehackt hatten. Verzweifelt ergriff Andrew das Holz und versuchte, sich daran hochzuziehen. Doch er rutschte ab. Mit letzter Kraft klammerte er sich an die Figur des Verbrechers. Entsetzt starrte er ihm in die leeren Augenhöhlen. Das Wasser umspülte nun seine Schultern. Das war zuviel für den Kundschafter. Er stieß einen letzten Schrei aus und fiel in das Wasser, das ihn sogleich verschluckte. Kurz noch konnte John seine Arme sehen, dann war sein Kamerad im kalten Nass verschwunden. Nun ragte nur noch der obere Teil des Kreuzes Christi aus dem Wasser. Und der Heiland, so schien es, starrte John unablässig an, als wolle er ihm etwas sagen. Als das Wasser den Mund von Jesus erreicht hatte, konnte John den Blick des Gekreuzigten nicht mehr ertragen. Er wandte den Blick ab und sah verzweifelt nach oben. Dort! War da nicht ein Schimmer Licht oberhalb des Turmes, unter dem er stand? Tatsächlich, hier war eine gemauerte Nische, die sich nach oben zur Decke des Saales zu erstrecken schien. John hastete die schmale Treppe hinauf. Beinahe wäre er ausgeglitten und gestürzt. Er erreichte mit wild klopfendem Herzen einen schmalen, mit Eisenspitzen bewehrten Sims, der die abgeplattete Turmspitze darstellte. Der Sims war gerade so breit, dass ein Mann darauf stehen konnte. In der Tat, knapp eine Mannshöhe über ihm befand sich am oberen Ende einer Nische eine kleine vergitterte Öffnung. Zu klein, um sich durchzuzwängen, auch wenn kein Gitter davor gewesen wäre. John reckte sich. Direkt über sich bemerkte er eine starke Kette. Sie kam von der Stelle, an der sich das Tor zur gemalten Darstellung der Stadt Jerusalem befand, verlief durch Eisenringe, die an der Decke eingeschlagen waren und endete in einem großen Haken, der knapp über ihm herabbaumelte. Darüber sah John eine Platte, die in die Decke des Saales eingelassen schien. Diese bot jedoch keinen Ausweg. John verschwendete keinen Gedanken daran, wozu die Kette wohl dienen mochte. Er musste hier heraus, wenn er nicht lebendig begraben werden wollte! 25


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