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Der Schatten des Erbfeinds

Johns Oberkörper zuckte unter der Atemnot. Ringe tanzten vor seinen Augen. Er musste das Licht erreichen, sonst ertrank er! Sein Körper begann sich zu verkrampfen. Verzweifelt hielt er auf den rötlichen Schimmer zu, seinen toten Kameraden hinter sich herziehend. Das Licht wurde stärker. Da vorne war es! Gerade als John glaubte, seine Lungen würden bersten, durchbrach sein Kopf die Wasseroberfläche. Er schlug panisch mit Händen und Beinen und atmete gierig ein, doch immer noch vermeinte er, kaum Luft zu bekommen. Verwundert fragte er sich, warum hier ein heißer Wind wehte, der ihn fortzerren wollte. Er drehte suchend seinen Kopf. Da vorne war etwas! Sein verschwommener Blick nahm einen breiten steinernen Quader wahr. Doch dahinter verbarg sich etwas. Es sah aus wie eine Nische vor einer kleinen Bresche, die in eine Mauer geschlagen war. Dahinter war das rote Licht! Es schien vor seinen Augen zu tanzen! Der heiße Wind schien direkt zu der Öffnung hin zu wehen. Verzweifelt kämpfte sich John darauf zu. Nach einer Weile schlug er mit einem Schienbein an etwas Steinernes. Eine Stufe, die ins Wasser ragte! In blindem Überlebenswillen und halb ohnmächtig versuchte er, die Stufe zu erklimmen. Endlich gelang es ihm, doch er sackte vornüber und wäre beinahe hingeschlagen und wieder ins Wasser gerutscht. Dabei löste sich die starre Hand von William. John drehte seinen Kopf. Voller Entsetzen sah er geradewegs in die gebrochenen Augen seines Kameraden, der, auf den Rücken gedreht, auf dem Wasser lag. Ein spöttisches Grinsen stand auf dem Gesicht des Toten. John ahnte, dass er diesen Anblick nie wieder vergessen würde. Mit einem Mal überwältigte ihn das Grauen. „Hinfort mit dir, hinfort, geh weg!“ kreischte er und versuchte, den Toten wegzustoßen. Der Leichnam drehte sich mit einer plötzlichen Bewegung und kippte zur Seite. Dabei ruckte sein Arm, etwas Goldenes flog durch die Luft und landete auf der Stufe neben John. Es sah aus, als habe er seinem Kameraden ein letztes Geschenk gemacht. Dann sank der Tote mit den Füßen voran langsam ab. Das letzte, was John sah, waren die toten Augen, die starr auf ihn gerichtet waren und der Arm, der einladend zu winken schien. Dann schloss sich das Wasser über William und der Leichnam glitt hinab in die nasse Dunkelheit. Keuchend und vor Entsetzen am ganzen Körper zitternd, stand John vornüber gebeugt, das Gesicht nur eine halbe Handbreit von der Wasseroberfläche entfernt. Allmählich gelang es ihm, Luft zu bekommen. Er zuckte zurück, als etwas in seinem Gesichtsfeld auftauchte. Dann 29


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