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Der Schatten des Erbfeinds

unsere besten Kundschafter, sind in die Tiefen des Château entsandt worden, wie Ihr wünschtet. Doch sie sind seitdem verschwunden.“ Die Augen des Herzogs verzogen sich zu schmalen Schlitzen. Er drehte sich zu dem Sprecher. „Verschwunden? Erkläre mir das!“ Der Mann atmete tief durch. „Sie waren schon geraume Zeit unterwegs. Da hörten wir zuerst ein leises Seufzen und Grollen tief unter der Erde. Die Geräusche wurden lauter. Malmende und schluckende Töne folgten, als würde jemand verschlungen. Dann -“, der Mann rang um Worte. „Dann ein eisiger Wind! Rauschen von Wassermassen, Gurgeln und … und … Rülpsen, wie nach dem Leeren eines großen Bechers Wein. Wir haben sogleich nach den Männern gesucht. Wir sind auf eine geheime Türe und dahinter auf eine breite Wendeltreppe unter einem der Ecktürme gestoßen, die in die Tiefe führte. Doch bald endete die Treppe im Wasser. Und nicht nur das. Das Wasser stieg schnell weiter. Nur mit knapper Not konnten wir entkommen. Als es zum Stillstand kam, waren beinahe alle Stufen in dem kalten Nass versunken. Es muss eine Falle gewesen sein! Nur Gott selbst weiß, wie tief es dort hinunter geht. Mylord, wenn unsere Männer dort unten waren, sind sie unrettbar verloren!“ Der Herzog erstarrte. Dann trat er mit raschen Schritten vor sein Zelt und schaute prüfend zur Burg. Ein eisiger Windstoß kam von der Festung herauf und ließ die Banner der Engländer flattern. Der Eiswind streifte den Herzog. Plötzlich schauderte ihn. Auch die Schar seiner Offiziere und Leibwächter, die ihm gefolgt waren, zitterte. „What the hell is that? Its getting cold now“, zischten sie, überrascht zusammenfahrend. Heinrich von Lancaster starrte weiterhin zur Burg der De Manuels. Der Anblick der stolzen Festung erfüllte ihn mit einem Mal mit einer Angst, wie er sie nie zuvor gespürt hatte. Ihm war, als vernähme er eine innere Stimme, die ihn eines unverzeihlichen Frevels bezichtigte. Es kostete den Feldherrn große Überwindung, sich nichts anmerken zu lassen. Mit bleichem Gesicht wandte er sich zu seinem Gefolge um. „Brennt die Festung nieder!“, rief er mit eigentümlich schriller Stimme. „Brennt sie nieder bis auf die Grundmauern! Macht sie dem Erdboden gleich! Nichts soll davon übrig bleiben als Asche und Staub!“ 31


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