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Der Schatten des Erbfeinds

Prolog 30. Januar 1347, nahe der Atlantikküste in der Saintonge, Provinz Poitou, im Westen Frankreichs Es war ein klarer Wintertag. Hier, in Sichtweite der französischen Atlantikküste, war der Schnee schon kurz nach der Jahreswende vollständig geschmolzen und eine nahezu frühlingshafte Wärme erfüllte seit Tagen die Luft. Die Sonne lachte vom blauen Himmel, die Vögel zwitscherten, Möwen zogen ihre Kreise und wer lauschte, der konnte das Rauschen des Meeres hören. Es wäre üblicherweise nicht verfehlt gewesen, von einem idyllischen Tag zu sprechen. Doch es gab keine Idylle mehr. Erbitterter Krieg herrschte seit zehn Jahren zwischen Frankreich und England. Und just in diesen Januartagen befand sich der englische Herzog Heinrich von Lancaster auf einer Kampagne, einem Feldzug entlang der Küste. Eine französische Stadt nach der anderen wurde geplündert. Dörfer gingen in Flammen auf, Männer und Burschen wurden getötet, die Frauen vergewaltigt, die jungen Mädchen verschleppt. Eine Burg nach der anderen wurde mit Triböcken, den großen Wurfmaschinen, sturmreif geschossen. Gegenangriffe der französischen Truppen führten nur zu kurzfristiger Entlastung. Umso stärker wurden die Städte und Dörfer der Franzosen in der Folge heimgesucht. Vor allem die englischen Bogenschützen waren gefürchtet. Sie schossen bei jedem Angriff zuerst einen Hagel an Pfeilen ab, der schwere Lücken in die französischen Reihen riss. Danach griffen die bewaffneten Reiter an und machten die schon dezimierten Truppen Frankreichs nieder. Nichts und niemand schien den Herzog und seine Heerscharen schwerbewaffneter Soldaten aufhalten zu können. Wie unaufhaltsame Walzen schoben sich die Einheiten der Engländer durchs Land. Die Provinz Poitou hatten sie schon zu einem Gutteil unter ihre Herrschaft gebracht. Tausende Franzosen, die Alten ebenso wie Familien 5


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