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Der Schatten des Erbfeinds

mit ihren Kindern, suchten ihr Heil in der Flucht und flehten um Aufnahme in die noch standhaltenden Festungen. Nur wenige Burgen gab es in dieser Provinz, die den Engländern noch nicht in die Hände gefallen waren. An diesem Januartag 1347 hatten die Engländer nach rund vierwöchiger Belagerung, verbunden mit schweren Angriffen, auch das Château Chollart, die Stammburg der Familie De Manuel in der Saintonge, eingenommen. Als die Engländer mit ihren Triböcken eine Bresche in die Mauer geschlagen hatten, war es den Verteidigern mit letzten Kräften gelungen, die sogleich nachsetzenden feindlichen Truppen noch einmal abzuwehren. Doch der Burgherr Robert De Manuel hatte erkennen müssen, dass die Burg nicht mehr zu halten gewesen war. Er hatte gehofft und gebetet, dass die wahre Schwäche seiner nun arg dezimierten Mannschaft den Engländern unbekannt geblieben war. Das Wagnis war gelungen. Er hatte mit den Abgesandten des Herzogs von Lancaster ein Abkommen ausgehandelt. Dieses sicherte ihm und seiner Familie, der verbliebenen Burgbesatzung samt Gesinde sowie seinem Bruder Charles und nicht zuletzt den zu ihnen geflüchteten Bauern eine ungefährdete Abreise. Der Herzog von Lancaster, vormalig Heinrich von Grosmont genannt, saß auf einem bequemen Hocker, den rechten Arm auf einen Stock gestützt, vor seinem Zelt auf einer Anhöhe östlich der Burg. Zufrieden sah er zu, wie seine Feinde die eroberte Festung verließen und in eine ungewisse Zukunft zogen. An der Spitze des Zuges der geschlagenen Franzosen ritten zwei Männer. Einer von ihnen, ein vollbärtiger, dunkelhaariger Mann mit steinernem Gesicht, saß auf einem hellbraunen schlanken Ross. Er war mittelgroß und hatte einen kräftigen Oberkörper. Über einem hellen Leinenhemd trug der Mann ein mit aufwendiger silberner Stickerei verziertes schwarzes Wams. Schwarz waren auch die Hosen, die der Mann anhatte, ebenso wie der samtene Hut, den er trug. Seine schweren Reitstiefel drückte er dem Pferd in die Flanken, wann immer dieses langsamer wurde. Neben ihm saß ein schlanker jüngerer Mann auf einem Schimmel. Auch er war gekleidet wie der Vollbärtige. Sein fahles Gesicht war von langen blonden Haaren eingerahmt. Auf seinem schwarzen Samthut ragte eine dunkelrote Feder hervor. Der Mann hatte den Arm des Älteren gepackt und schien eindringlich auf ihn einzureden. 6


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