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Der Schatten des Erbfeinds

Hinter den beiden Reitern liefen die überlebenden Männer der Wachmannschaft der Burg. Sie waren in blauviolettes Tuch gekleidet und hatten ihre Waffen behalten dürfen. Die Schwerter in die Scheiden gesteckt, trugen sie ihre Glefen, lange Stangenblankwaffen, auch „Rossschinder“ genannt, über der Schulter und ließen ihre Herren kaum aus den Augen. Nur ab und an warfen sie einen hasserfüllten Blick nach links zum Hügel hinauf zu den prächtigen Zelten, über denen die Banner mit den Löwen wehten. Die Banner des englischen Hauses Lancaster. Die Banner des Erbfeinds. Hinter den Wachmännern der Burg folgte ein junger Bursche, der das Pferd führte, auf dem die Gemahlin von Robert De Manuel, Lucrezie De la Pecaudiere, mit ihrem neugeborenen Sohn Louys saß. Ihm folgte ein weiterer Bursche, in seiner Hand die Zügel des schwerfälligen Rosses, welches den erstgeborenen Sohn der Edelleute, Ferdinand, trug. Der Knabe schaute voller Schrecken zu dem Lager des englischen Feldherrn, unfähig zu verstehen, was geschehen war. Hinter dem Pferd, das den jungen Ferdinand trug, trotteten ein rundes Dutzend Schafe. Dahinter folgte ein Stallknecht, der ein mit zwei Kisten bepacktes Pferd nach sich führte. Ihm folgte ein mit einer Plane gedeckter Karren, der von zwei weiteren der kräftigen Rösser gezogen wurde. Der Wagner des Burgherrn saß auf einem der Tiere und achtete darauf, dass die schwerfälligen Pferde im Tross blieben. Dahinter liefen zwei weitere Stallknechte, gefolgt vom Hufschmied des Burgherrn. Hinter diesem wiederum stapfte der Waffenschmied mit finsterem Gesicht. Er zog ein lahmendes Packpferd hinter sich her. Den Abschluss des Trosses bildeten der Burgkaplan, der Bäcker und der Küchenbursche. Sie alle waren nunmehr heimatlos geworden. Heinrich nickte nachdenklich, als er seine Feinde abziehen sah. Der prächtige Federbusch auf seinem Helm wackelte. Er wusste, was sie dachten. Wären die Franzosen in England eingefallen und hätten seinen Stammsitz erobert, er hätte ebenso gefühlt. Doch so war der Krieg. Es gab nur einen Sieger. Und, so überlegte er, die Franzosen hatten dieses Mal dank dem Verhandlungsgeschick von De Manuel sogar noch einen Teil ihres Hab und Guts mit sich nehmen dürfen. Und er konnte sich ein Gefühl der Bewunderung für den Franzosen nicht verkneifen. Hatte dieser ihn doch über die tatsächliche Stärke seiner Wachmannschaft getäuscht. 7


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