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Der Schatten des Erbfeinds

So waren die Verhandlungen durchaus im Sinne von De Manuel verlaufen. Bei vielen anderen Eroberungen, die Heinrich gelungen waren, hatten die Besiegten hingegen glücklich sein können, wenn sie ihr nacktes Leben retten konnten. Doch weil Heinrich nunmehr über sein Schlachtenglück der letzten Monate überaus zufrieden war, hatte er bei De Manuel Nachsicht walten lassen. Und zur Zufriedenheit hatte er allen Grund. Seit der Schlacht von Crécy unweit des Ärmelkanals am 26. August des vergangenen Jahres war der Krieg für die Engländer überaus glücklich verlaufen. Fünf Monate war es nun her, dass König Philipp VI. von Frankreich in dieser Schlacht gegen Eduard III. von England den Großteil der französischen Ritter mit törichter Strategie in den Tod geschickt hatte. In der Folge war nun er, der Herzog von Lancaster, immer weiter in die Saintonge vorgestoßen. Am 4. Oktober hatten seine Männer die Stadt Poitiers geplündert. Sechshundert Einwohner der Stadt hatten dabei den Tod gefunden. Von da an war der Name Heinrich von Lancaster der Inbegriff des Schreckens in der Provinz Poitou geworden. Fehden, die in der Folge zwischen französischen Edelleuten ausbrachen, erleichterten ihm und seinen Truppen den Vormarsch. Zu schaffen machten ihnen nur einzelne Anschläge von Widerständlern. Doch diese wurden von den Engländern grausam geahndet. Das Banner der englischen Löwen wehte nun über einem Großteil des Poitou. Sobald der Landstrich der Saintonge erobert war, gehörte den Engländern die Provinz nahezu vollständig. Der Herzog wandte seinen Blick gen Westen. Über die Heerschar seiner Männer hinweg, die den Abzug der Familie De Manuel beobachteten, betrachtete er mit Stolz den Tribock, der die entscheidende Bresche in Mauer der Festung geschlagen und damit den Widerstand der Franzosen gebrochen hatte. Dahinter schweifte sein Blick über die Bucht, die von sanftem Hügelland umrandet war. Die Wellen des Atlantiks brachen sich an ihrem Ufer. In der Ferne erspähte er kleine weiße Vierecke. Der Herzog kniff die Augen zusammen, um besser sehen zu können. Mehrere Segel. Mindestens drei Schiffe kreuzten dort vor der Küste. Wer mochte dies sein? Feinde, die flüchteten? Die gar einen Schatz in Sicherheit brachten? Dieser Gedanke ließ ihn wieder zum Château Chollart, der Festung mit den vier Ecktürmen, zurückschauen. 8


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